ALEX LINZ - Fotografie & Klang

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Aus "Die Illusion des Ich" von Alan Watts

„…Man teile einen Prozess willkürlich in zwei Teile, vergesse, dass man es getan hat, und rätsele dann jahrhundertelang, wie man beide Teile zusammenfügen kann. Das trifft auch auf „Form“ und „Materie“ zu. Da noch nie jemand ein Stück formloser Materie oder eine nichtmaterielle Form entdeckt hat, sollte es einleuchtend gewesen sein, dass irgendetwas mit diesem Keramikmodell nicht stimmt. Die Welt ist genauso wenig aus Materie geformt wie Bäume aus Holz „gemacht“ sind. Die Welt ist weder Form noch Materie, denn diese beiden schwerfälligen Begriffe bezeichnen ein- und denselben Prozess, der vage als die „Welt“ oder die „Existenz“ bekannt ist. Doch die Illusion, jede Form bestehe aus irgendeiner, ihrer Grundlage bildende Substanz bzw. sei aus ihr gemacht, hat sich in unser allgemeines Denken tief festgesetzt. Wir haben vollkommen vergessen, das sowohl „Materie“ als auch „Meter“ von dem im Sanskrit gebräuchlichen Wortstamm matr-, „zu messen“, herrühren und dass „materielle Welt“ nichts anderes bedeutet als die Welt, wie sie gemessen wird oder messbar ist – mit Hilfe von solchen abstrakten Vorstellungen wie Netzen, Matrizen, Meter, Sekunden, Gramm und Dezibel. Der Begriff „materiell“ wird oft auch als Synonym für den Begriff „physisch“ benutzt. Das Wort „physisch“ (Natur) und dem ursprünglichen Indo-Europäischen „bheu“ (werden). Nichts auf der Welt lässt darauf schließen, das die materielle oder physische Welt – wie man nach dem Keramikmodell annimmt – aus irgendeinem Stoff gemacht ist, und man kann wohl sagen, dass dieses Modell hinten und vorne nicht stimmt. …“

 

 

Alan Watts, Die Illusion des Ich

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